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GEBRAUCHShund erzählt
"Aus dem Leben eines Gebrauchshundes"
erzählt aus der Sicht und mit den Empfindungen des Hundes selbst
Der Verfasser dieser traurigen Hundebiografie, welcher selbst seit vielen Jahren aktiven Hundesport betreibt und Kenntnis über die unterschiedlichsten Auffassungen der Hundehaltung hat, möchte mit dieser Erzählung auf die teils durch Unwissenheit oder durch überlieferten Irrglauben verursachten Missstände in der Hundehaltung hinweisen. Mit Absicht wird der Hund in der gesamten Erzählung klein geschrieben um damit zum Ausdruck zu bringen, wie wenig das Wesen Hund an sich und dessen Bedürfnisse den Hundehalter interessieren. Der Hundehalter des Gebrauchhundes wird als "der Gebraucher" hingestellt und groß geschrieben um zu verdeutlichen, dass nur er und seine Bedürfnisse nach Erfolg im Sport und Namhaftigkeit in der Zucht an erster Stelle stehen. Die Liebe des Hundehalters/Gebrauchers für seinen Hund/Hunde steht im Widerspruch zu den grundlegenden Bedürfnissen die dem Tier verwehrt werden.
GEBRAUCHShund
Geboren wurde ich in einer Wurfhöhle und mein Auslauf, den ich mir mit meinen Geschwistern teilte war klein, an zwei Seiten schaute ich an die Mauer und auf der einen Seite gegen eine hohe Holzwand, viel zu hoch um es meiner Mutter zu erlauben mal darüber hinaus zu springen um sich von uns zu erholen.
Da es der Gebraucher aber gut mit unserer Mutter meinte, entfernte er sie einfach stundenweise von uns und sie konnte gar nicht zurück kommen wenn sie wollte, wenn wir nach ihr weinten.
Man bot uns schon früh ein anderes Futter an, was auch der Erholung unserer Mutter dienen sollte und schließlich bekamen wir nur noch fremdes Futter und sahen unsere Mutter kaum noch.
Dafür wurden wir hin und wieder in eine Box gesteckt, damit wir uns an das Fahren im Hänger gewöhnen, und auf einen GEBRAUCHShundeplatz geschleppt. Es war schön auf der Wiese zu tollen und wir waren voller guter Dinge auf die Freiheit und die herrlichen Gerüche und Düfte, die wir bei unseren Ausflügen kurz erahnen konnten.
Es kamen Menschen die uns auf den Arm nahmen und in süßen Tönen zu uns sprachen. Wir mussten in einen Lappen beißen und uns ganz fest dran halten, auch wenn wir mit dem Lappen in der Luft hingen. So suchten uns die Menschen aus. Einer nach dem anderen von meinen Geschwistern verließ so die Wurfhöhle.
Und ich blieb.
Als hoffnungsvolle GEBRAUCHShündin.
Mein ganzes Leben friste ich in einem kleinen Zwinger, manchmal in einer Box.
Ich habe hier sehr viele Brüder und Schwestern die auch hier wohnen, die ich höre, aber nur selten sehe. Wenn wir Glück haben nimmt man diejenigen von uns, die man GEBRAUCHEN kann mit auf den Hundeplatz, dort wo die Wiese so schön duftet und der Wald im Winde rauscht.
Wenn einer von uns aus dem Auto geholt wird, würde er so gerne losrennen und die Umgebung erkunden. Aber wir werden immer sofort am Schopfe gepackt und in eine kleine Box gesteckt.
Trotzdem haben wir Glück.
Denn wenn es zeitlich passt darf jeder von uns ein bisschen auf den Hundeplatz und muss dann gehorchen lernen. Dafür bekommt man ein paar Mal das Bällchen ins Maul gesteckt, manchmal darf man auch einige Meter danach laufen. Wie gern würde ich laufen und rennen und spielen bis ich selber keine Lust mehr habe.
Die jüngsten von uns, die noch nicht so viel können, dürfen nur wenige Minuten auf diese schöne Wiese.
Trotzdem haben wir Glück.
Wenn alle fertig sind mit dem gehorchen, werden wir am Rande des Hundeplatzes an eine Ein-Meter-Kette gebunden. Wir dürfen dort stundenlang auf die Wiese gucken und unsere Brüder und Schwestern anbellen, manchmal dürfen wir dort auch die ganze Nacht hängen und auch bellen, denn dann können wir uns mal richtig austoben, sagen die GEBRAUCHER.
Die Kette ist so kurz, wir wissen gar nicht wie wir uns gemütlich hinlegen sollen.
Trotzdem haben wir Glück.
Wir können auf diesem Quadratmeter wenigstens mal Pippi und Häufchen auf die Erde machen und wenn es einer sieht wird es sofort weg gemacht.
Eigentlich würden wir viel lieber woanders hinmachen, aber das wissen die GEBRAUCHER nicht, dass wir Hunde den Platz an dem wir wohnen nicht beschmutzen. Die Neuen unter uns, laufen dann immer ganz verzweifelt im Kreis an dieser kurzen Kette, weil sie ja müssen und so eine Not haben.
Wenn wir zuhause in unserem Zwinger sind, dann müssen wir immer alles in den Zwinger machen. Es stinkt da und wir stinken auch. Wenn wir Glück haben wird es einmal am Tag weggemacht von dem GEBRAUCHER und wenn wir ganz viel Glück haben, dann werden wir mal kurz nach draußen an die Leine angebunden und können es dann dort machen, unser Geschäft. Der GEBRAUCHER hat keine Zeit um mit uns durch den Wald zu tollen. Wenn wir GEBRAUCHT werden dürfen wir fährten, das ist dann unser längster Weg über Wiesen und Felder. Aber der GEBRAUCHER versteht nicht warum wir so in der Leine ziehen. Er versteht gar nicht, dass wir so gerne rennen und toben würden.
Trotzdem haben wir Glück.
Wenn der Gebraucher ein bisschen Zeit hat, dann darf einer von uns auch mal aufs Laufband.
Die Alten von uns, die man zu nichts mehr GEBRAUCHEN kann,
die man aber trotzdem sehr liebt, die sind in Rente und müssen den Rest ihres Lebens in ihrem Zwinger sitzen.
Trotzdem haben wir Glück.
Wenn der GEBRAUCHER mal Zeit hat darf einer von uns auch mal ein Weilchen ins Haus.
Am schlimmsten ist es, wenn er verreist. Dann müssen wir tagelang in unseren Zwingern ausharren und wissen kaum noch wohin wir machen sollen. Einmal am Tag kommt nur jemand der uns Futter hineinwirft und mit dem Schlauch Wasser nachfüllt.
Wir sind so traurig. Wenn man uns rausholt wedeln wir freudig und hüpfen und springen, versuchen es dem GEBRAUCHER recht zu machen, damit er stolz auf seinen GEBRAUCHShund sein kann. Wir hoffen, dass er irgendwann zufrieden sein wird und uns mit Liebe und Freiheit belohnen wird. Aber er versteht uns nicht.
Damit wir nicht soviel bellen, weil es uns die vielen Tage, die vielen Stunden, die vielen Jahre so langweilig ist, bekommen wir Antibell-Halsbänder um. Wenn das nicht reicht müssen wir in eine Box. Wir jammern leise, das lernt jeder von uns irgendwann.
Heute ist der GEBRAUCHER wieder weg. Ein Jahr geht zu Ende. Wir hoffen, dass sich in der Nacht keine Rakete in einen unserer Zwinger verirrt.
Und wenn einer von uns stirbt, dann weint der GEBRAUCHER viele Tränen und begräbt den hund auf seinem Grundstück.
Und so sind wir auch im Tod nicht frei.
Unsere Seelen sind Gefangene der Sehnsucht,
der Sehnsucht, die ein ganzes Hundeleben unerhört blieb. 31.12.2009
Ein Kind sammelt Spielzeugautos die mit der Zeit vor lauter Staub nicht mehr zu erkennen sind. Nimmt die Mutter welche weg, weint es. Ein Spitzensportler weint um sein Fahrrad, dass er jahrelang gebrauchte, welches nun aber endgültig hinüber ist. Ein Briefmarkensammler weint einigen Briefmarken hinterher, die er so liebte, sich aber aus finanziellen Gründen trennen musste. Also stellt sich die Frage: vergießt der Gebraucher in der Geschichte Tränen um das Wesen Hund, seinen vierbeinigen Freund und Begleiter oder um sein Sport-und Zuchtgerät? Mmmmhhh, ich wusste gar nicht, dass man seine Freunde und Begleiter, egal mit wieviel Beinen....den überwiegenden Teil ihres Lebens irgendwo wegsperrt.
Und wenn diese Leute von ihren Hunden reden, sei es, dass einer krank ist oder gestorben, mit Tränen in den Augen...............ist das nicht krass? denn sie sind wirklich überzeugt, dass sie ihre Hunde liebten und dass es ihnen an nichts fehlte so wie sie sie hielten? Haben wir es hier nicht mit absolutem Mangel an Einfühlungvermögen zu tun?
Der Verfasser möchte aus Angst vor Repressalien anonym bleiben.